19. März 2026 | Bericht, Interviews
Der große Veranstaltungssaal im Bundesministerium des Innern in Berlin: gedämpftes Licht, Erwartungsgemurmel. Es wird still – der Berliner Kneipenchor setzt ein, mehrstimmig, dicht, direkt. Die Gäste im Saal: Einsatzkräfte von Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Technischem Hilfswerk, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verbänden – Menschen, die den ehrenamtlichen Bevölkerungsschutz seit Jahren tragen und unterstützen.

Die Trophäen für den Förderpreis strahlen in einem neuen Design. (Foto: Björn-Arne Eisermann)
Seit 2009 verleiht das Bundesministerium des Innern (BMI) den Förderpreis Helfende Hand, die bundesweit wichtigste Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement im Bevölkerungsschutz. In diesem Jahr findet die Verleihung bereits zum 17. Mal statt – traditionell Anfang Dezember, rund um den Internationalen Tag des Ehrenamtes. Der Preis ist Ausdruck eines doppelten Schulterschlusses: Zum einen würdigt das BMI mit der Helfenden Hand die mehr als 1,7 Millionen freiwilligen Helferinnen und Helfer, ohne die der deutsche Bevölkerungsschutz nicht handlungsfähig wäre. Zum anderen zeigt die Verleihung, wie eng das Ministerium mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zusammenarbeitet. Das BBK betreibt die Geschäftsstelle für den Förderpreis, organisiert das Wettbewerbsjahr, begleitet Jury- und Öffentlichkeitsarbeit und schließlich die Preisverleihung im BMI.
Welche Bedeutung das BMI diesem Engagement beimisst, wird direkt zu Beginn in Grußworten der Hausleitung deutlich: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt dankt den Engagierten, lobt die „Menschen, die ihr Wissen, ihre Zeit und ihre Kraft einsetzen, damit unser Land in Krisen funktioniert“ und betont die tragende Rolle des Ehrenamtes im Bevölkerungsschutz. Im Saal übernimmt danach Christoph de Vries, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern. Er verleiht die Auszeichnungen, wenn die Gewinnerinnen und Gewinner voller Vorfreude auf die Bühne kommen. Moderiert wird die Verleihung von Clarissa Corrêa da Silva. Sie führt leichtfüßig und herzlich durch das Programm, verbindet die Preisübergabe mit kurzen Gesprächen auf der Bühne und folgt dem roten Faden des Tages: Es geht um Menschen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise für einen modernen, inklusiven und leistungsfähigen Bevölkerungsschutz engagieren.
BMI und BBK als gemeinsame Gastgeber
Schon in seiner Ansprache macht Christoph de Vries deutlich, worum es dem BMI mit diesem Preis geht: „Sie zeigen, dass Engagement nie stehen bleibt, dass Hilfsbereitschaft kreativ ist und dass man gemeinsam Großes erreichen kann“. Es sind Ehrenamtliche, die sich in ihrer Freizeit ausbilden lassen, Verantwortung übernehmen und mit ihren Ideen den Bevölkerungsschutz weiterentwickeln. Die Projekte zeigen, wie viel Innovationskraft, Kreativität und Zusammenhalt in den Blaulichtorganisationen stecken.
Die Zahlen unterstreichen diese Botschaft: Knapp 400 Bewerbungen um den Förderpreis sind 2025 eingegangen, aus denen eine Fachjury 16 Projekte für die Endrunde ausgewählt hat. Verliehen wird in drei Hauptkategorien – Innovative Konzepte, Nachwuchsarbeit und Unterstützung des Ehrenamtes. Hinzu kommen der erstmals verliehene Sonderpreis für Inklusion im ehrenamtlichen Bevölkerungsschutz sowie der Publikumspreis, über den die Öffentlichkeit online abstimmen konnte.
Mit diesen Kategorien bildet die Helfende Hand zentrale Zukunftsfragen des Bevölkerungsschutzes ab:
- Wie können Strukturen und Angebote so weiterentwickelt werden, dass sie zur Lebensrealität der Menschen passen?
- Wie gelingt es, Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen und Engagierte langfristig zu halten?
- Wie werden Arbeitgeber, Hochschulen und andere Partner noch stärker in die Verantwortung genommen?
- Und wie wird der Bevölkerungsschutz inklusiver – damit wirklich alle mitlernen und mithelfen können?
Viele der ausgezeichneten Projekte lassen sich auf andere Organisationen und Orte übertragen oder anpassen. Ideen, die sich in einem Landkreis bewähren, können andernorts ähnlich funktionieren. Dass der Preis gerade in Krisenzeiten so viele Bewerbungen anzieht, ist auch ein Signal an die Einsatzpraxis: Das Ehrenamt reagiert wach und kreativ auf neue Risiken, veränderte Lebensmodelle und wachsende Erwartungen.

1. Platz in der Kategorie Innovative Konzepte: Kinder-Krisen-Einsatzdienst. (Foto: Björn-Arne Eisermann)
Innovative Konzepte
Der erste Block des Nachmittags gehört der Kategorie „Innovative Konzepte“. Auf der Leinwand laufen Projektfilme, die als kurze Geschichten zeigen, was die Projekte leisten: Roboterfahrzeuge an Gewässern, digitale Formate zur Einsatzvorbereitung, neue Trainingskonzepte.
Die Jury hat fünf Projekte nominiert – und vergibt den ersten Preis an ein Team, das eine Lücke schließt, die in vielen Einsätzen spürbar ist: den Kinder-Krisen-Einsatzdienst des DRK-Kreisverbandes Ravensburg. Wenn es brennt, wenn Menschen schwer verletzt werden oder ums Leben kommen, dann sind Kinder und Jugendliche oft ebenso betroffen wie Erwachsene. Für sie gibt es aber bisher kaum spezialisierte Angebote im Anschluss an das Ereignis.
Genau hier setzt das ehrenamtliche Kinder-Krisen-Team an: Speziell geschulte Helferinnen und Helfer leisten seelische Erste Hilfe für Kinder, begleiten sie vor Ort, erklären kindgerecht, was passiert ist, und beziehen Bezugspersonen aktiv ein. Sie stabilisieren in der Akutsituation, bieten Nachbetreuung an und vermitteln bei Bedarf weiterführende Hilfe. Das Konzept entstand aus konkreten Einsatzerfahrungen – von Schulbusunfällen über Brände bis zu plötzlichen Todesfällen im familiären Umfeld. Es zeigte sich: Die vorhandenen Strukturen der psychosozialen Notfallversorgung sind oft auf Erwachsene ausgerichtet, Kinder und Jugendliche geraten leicht aus dem Blick. Das Ravensburger Projekt zieht aus dieser Erkenntnis die praktische Konsequenz: ein eigenes, auf Kinder zugeschnittenes Angebot, das eng mit Schulen, Jugendämtern, Einsatzdiensten und Traumaambulanzen vernetzt ist.
Für die Jury ist das mehr als eine regionale Lösung. Der Kinder-Krisen-Einsatzdienst verbindet fachlich fundierte Ausbildung, niedrigschwellige Einsatzstrukturen und ein klares Ziel: Kinder sollen in Krisen nicht nur „mitversorgt“, sondern gezielt gestärkt werden. Zugleich zeigt das Projekt, wie Wissenschaft, Einsatzpraxis und Ehrenamt zusammenspielen können – an der Entwicklung waren unter anderem die Hochschule Ravensburg-Weingarten und das Zentrum für Psychiatrie beteiligt.
Neben dem Erstplatzierten zeigen in dieser Kategorie auch andere Projekte das breite Spektrum an Innovationen im Bevölkerungsschutz: Etwa „Roboter als Retter und Helfer“ des DRK-Wasserrettungsdienstes Halle (Saale), das Format „Bist Du bereit für den Notfall?“ der Feuerwehren der Stadt Hattersheim am Main, das „Reflexive Einsatztraining“ des ASB-Landesverbandes Bremen und das „OSI – Das Live-Online-Event“ des THW Hamburg. Es reicht von technischer Unterstützung über spezifische Trainingsmethoden bis zu neuen digitalen Lernformaten.

1. Platz in der Kategorie Nachwuchsarbeit: Wasserrettung meets Katastrophenschutz. (Foto: Björn-Arne Eisermann)
Nachwuchsarbeit
Die Kategorie „Nachwuchsarbeit“ macht deutlich, wie sich junge Menschen für den Bevölkerungsschutz begeistern lassen und wie stark die Verbindung von Alltagserlebnissen und Krisenkompetenz sein kann. Hier geht der erste Preis an „Wasserrettung meets Katastrophenschutz“ des ASB Rhein-Erft/Düren.
Ausgangspunkt ist eine Situation, die vielen bekannt sein dürfte: Immer mehr Schwimmbäder schließen oder reduzieren ihr Angebot, Schwimmunterricht fällt aus. Gleichzeitig steigt die Zahl der Menschen, die im Sommer an Seen und Flüssen Erfrischung suchen. Die Diskrepanz zwischen Badefreude und tatsächlicher Schwimmfähigkeit wird größer – mit unmittelbaren Folgen für die tägliche Arbeit der Wasserrettung.
Das Projekt setzt genau hier an: Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 verbringen einen Projekttag an einem Badesee, lernen ganz praktisch, wie sie Gefahren erkennen, mit Erschöpfung oder Krämpfen umgehen und gemeinsam eine Person aus dem Wasser retten. Dazu kommen Erste-Hilfe-Basics und der Blick auf das, was passiert, wenn aus einem Badeunfall ein größerer Einsatz wird. Didaktisch interessant: Die Inhalte der Wasserrettung werden mit Modulen zur Selbstschutz- und Katastrophenvorsorge verknüpft, wie sie der ASB im Auftrag des BBK bereits anbietet. So entsteht eine Mischung aus Wasser-Sicherheit, Erster Hilfe und Krisenvorsorge, die sowohl an Gewässern als auch – in abgewandelter Form – im Klassenraum umgesetzt werden kann. Das Projekt knüpft an Erfahrungen aus der Hochwasserkatastrophe 2021 an und zeigt, wie pädagogische Aufarbeitung und praktische Vorbereitung ineinandergreifen können.
Ziel ist nicht nur Wissensvermittlung. Die Jugendlichen sollen Selbstwirksamkeit erleben, ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen kennenlernen und erfahren, dass ehrenamtliches Engagement eine spannende Option ist: Einige ehemalige Teilnehmende sind inzwischen selbst in der Wasserrettung aktiv und wirken als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.
Auch die übrigen Projekte dieser Kategorie erzählen starke Nachwuchsgeschichten: „What if…???“ des Jugendrotkreuzes Niederkrüchten experimentiert mit Planspielen rund um Krisenszenarien, „Feuer & Flosse“ der BRK-Gemeinschaft und Freiwilligen Feuerwehr Kissing verbindet Jugendfeuerwehrarbeit mit Wasserrettung, „Jugendliche im Einsatzdienst“ der Malteser Erftstadt bereitet junge Ehrenamtliche behutsam auf reale Einsätze vor, und bei „Krisenkids – Kinder erklären Katastrophenschutz“ des Jugendrotkreuzes Neuss werden Kinder selbst zu Botschafterinnen und Botschaftern für Sicherheit – mit eigenen Videos und Podcasts.

1. Platz in der Kategorie Unterstützung des Ehrenamtes: Studi-PUK. (Foto: Björn-Arne Eisermann)
Unterstützung des Ehrenamtes
Wie starke Partner dem Bevölkerungsschutz weiterhelfen, zeigt die Kategorie „Unterstützung des Ehrenamtes“. Hier werden Projekte ausgezeichnet, die Rahmenbedingungen verbessern – von Technik über Arbeitgeber bis zur akademischen Ausbildung. Den ersten Preis erhält das Projekt „Studi-PUK“ der Fachhochschule Münster gemeinsam mit dem DRK-Landesverband Westfalen-Lippe.
„Studi-PUK“ steht für studentische Pflegeunterstützungskräfte. Die Idee: Studierende – gerade im Gesundheitsbereich, aber nicht nur – werden gezielt für Aufgaben im Bevölkerungsschutz qualifiziert. In praxisnahen Kursen erwerben sie Kompetenzen, die sie in Evakuierungen, in Notunterkünften oder in besonderen Lagen einbringen können.
Für die Studierenden ist das ein niedrigschwelliger Einstieg in das Engagement bei Hilfsorganisationen. Und für den Bevölkerungsschutz eine neue, flexible Zielgruppe, die im Krisenfall für mehrere Tage oder Wochen einsatzbereit sein kann. Das Projekt baut auf Erfahrungen der Corona-Pandemie auf, als viele Studierende spontan geholfen haben, vom Einkaufen für Risikogruppen bis zur Mitarbeit in Testzentren. Aus dieser spontanen Hilfsbereitschaft wird mit „Studi-PUK“ ein strukturiertes Angebot, das an der Hochschule verankert ist. Pilotprojekte wurden bereits wissenschaftlich begleitet, das Ziel ist eine dauerhafte Basisqualifizierung im Studium, ergänzt um jährliche Fortbildungen.
Auch in dieser Preiskategorie ist die Bandbreite der Projekte groß: „Elektrotechnik-Support“ der ElektroTechnik Lüneburg GmbH zeigt, wie Fachbetriebe ehrenamtliche Strukturen entlasten können. Das Brandschutz-Center Münster Brinck wird als Arbeitgeber ausgezeichnet, der Feuerwehr- und anderen BOS-Kräften den Rücken freihält. Das Notfunkkonzept des DARC-Ortsverbands P49/FFW Laupheim entwickelt Anlaufstellen bei Kommunikationsausfall, und die „Mayday-Arena Hamburg“ des TFA-TEAMs Hamburg schafft ein einmaliges Trainingsumfeld für Atemschutzgeräteträgerinnen und -träger.

1. Platz in der Kategorie Sonderpreis für Inklusion: Erste Hilfe kennt keine Barrieren. (Foto: Björn-Arne Eisermann)
Sonderpreis Inklusion
Ein besonderer Akzent des Abends ist der erstmals verliehene Sonderpreis für Inklusion im ehrenamtlichen Bevölkerungsschutz. Er geht an das Projekt „Erste Hilfe kennt keine Barrieren“ der Malteser Jugend Bremen.
An einer Bremer Schule für hörbeeinträchtigte und gehörlose Schülerinnen und Schüler wurde ein Schulsanitätsdienst aufgebaut, der von Anfang an barrierefrei gedacht ist. Unterrichtsmaterialien werden visuell aufbereitet, Gebärdensprache ist selbstverständlicher Bestandteil. Praktische Übungen sind so gestaltet, dass auch ohne akustische Signale sicher gearbeitet werden kann. Ziel ist, die Jugendlichen in die Lage zu versetzen, im Schulalltag selbstbewusst Erste Hilfe zu leisten, und gleichzeitig die gesamte Schulgemeinschaft für Inklusion zu sensibilisieren.
Aus Sicht des Bevölkerungsschutzes ist dies mehr als ein wichtiges Schulprojekt: Es zeigt, dass Inklusion im Ehrenamt nicht nur theoretische Forderung ist, sondern praktisch machbar, wenn Didaktik, Kommunikation und Strukturen darauf ausgerichtet werden, dass wirklich alle mitmachen können.
Interview aus dem Podcast: „Hand und Herz – Deine Stimme fürs Ehrenamt“
Moderation: Katharina Bodmann
Interviewgast: Jan Wegener, Leiter Jugend & Schule, Malteser Hilfsdienst Bremen
Frage 1: Wie ist die Idee zum inklusiven Schulsanitätsdienst entstanden?
Jan Wegener: Der Impuls kam tatsächlich von der Schule selbst: Sie wollte Erste Hilfe und einen Schulsanitätsdienst aufbauen. Für uns war schnell klar: Wenn wir das machen, dann so, dass Erste Hilfe für alle zugänglich ist. Also haben wir gemeinsam geschaut: Was brauchen die Lernenden konkret und wie gestalten wir die Ausbildung so, dass niemand ausgeschlossen wird?
Frage 2: Was waren die größten Hürden und wie habt ihr sie gelöst?
Jan Wegener: Die zentrale Frage war am Anfang die Kommunikation. Wir als Ausbildende konnten nicht automatisch Gebärdensprache. Deshalb haben wir viel stärker visuell und praktisch gearbeitet, ohne die Inhalte „leichter“ zu machen oder zu kürzen. Zu Beginn haben Gebärdensprachdolmetschende unterstützt, später haben wir die Lehrkräfte stärker eingebunden, damit die Übersetzung gut in den Unterricht passt. Entscheidend war: gemeinsam einen Weg finden und offen bleiben.
Frage 3: Was verändert das Projekt bei den Teilnehmenden?
Jan Wegener: Es ist ein starkes Gefühl, nicht nur Hilfe zu bekommen, sondern selbst helfen zu können. In der Ausbildung passiert viel gegenseitiges Lernen: Wir passen Methoden an, und die Teilnehmenden zeigen uns, was für sie gut funktioniert. Am Ende gehen viele spürbar selbstsicherer raus – weil sie Verantwortung übernehmen können und merken: Ich kann in einer Notlage handlungsfähig sein.
Frage 4: Was bedeutet euch die Auszeichnung und was wünscht ihr euch als Nächstes?
Jan Wegener: Es ist vor allem ein Dankeschön und ein Signal: Inklusiver Bevölkerungsschutz ist machbar, wenn man Barrieren ernst nimmt und pragmatisch löst. Unser Wunsch ist, dass es Nachahmung gibt, bei weiteren Schulen, Standorten und Organisationen. Oft wirken Hürden vor allem dann unüberwindbar, wenn man sie als unveränderlich betrachtet.
Das komplette Interview:

1. Platz in der Kategorie Publikumspreis: Mayday-Arena Hamburg. (Foto: Björn-Arne Eisermann)
Publikumspreis
Zum Schluss gehört die Bühne dem Publikum: In diesem Jahr haben 9.803 Menschen online über den Publikumspreis abgestimmt, 2.525 von ihnen votierten für die „Mayday-Arena Hamburg“ des TFA-TEAMs Hamburg – eine Atemschutz-Übungsstrecke, die konsequent auf Basis realer Unfälle konzipiert ist.
Auf 45 Kriechmetern erleben Atemschutzgeräteträgerinnen und -träger Szenarien, die auf schweren Atemschutzunfällen aus Deutschland und dem Ausland basieren. Jede Station verweist mit Steckbriefen auf einen konkreten Einsatz, bei dem etwas schiefgelaufen ist. So wird aus einem „Hindernisparcours“ ein Lernraum mit direktem Bezug zur Einsatzrealität.
Das Ziel: Stressresilienz erhöhen, Grenzen kennen – und im Zweifel das eigene Leben retten können. Dass die Strecke ehrenamtlich aufgebaut wurde und bereits jetzt Anfragen aus ganz Deutschland bekommt, zeigt, wie groß der Bedarf an solch realitätsnahen Trainingsangeboten ist. Bemerkenswert: Die „Mayday-Arena Hamburg“ holt nicht nur den dritten Preis in der Kategorie Unterstützung des Ehrenamtes, sondern auch den Publikumspreis. Sie steht stellvertretend für viele Projekte des Abends, die professionelle Methoden im Ehrenamt widerspiegeln – von der Risikoanalyse über die Didaktik bis zur technischen Umsetzung.
Interview aus dem Podcast: „Hand und Herz – Deine Stimme fürs Ehrenamt“
Moderation: Katharina Bodmann
Interviewgast: Finn Ole Block, TFA-TEAM Hamburg e.V.
Frage 1: Was ist die Mayday-Arena und warum habt ihr sie gebaut?
Finn Ole Block: Die Mayday-Arena ist eine modulare Atemschutz-Übungsstrecke über rund 45 Meter. Sie basiert auf realen Atemschutzunfällen, auch schweren und tödlichen. Uns war wichtig, dass daraus nicht nur „ein Parcours“ wird, sondern ein Trainingsraum, der Einsatzrealität greifbar macht. Gleichzeitig ist es auch ein Gedenken an verunglückte Kolleginnen und Kollegen mit dem klaren Ziel: aus Unfällen lernen, damit sie sich nicht wiederholen.
Frage 2: Wie kamt ihr auf die Idee?
Finn Ole Block: 2023 waren wir im Rahmen eines Austauschs der Feuerwehr Hamburg mit Chicago dort an der Academy und haben eine vergleichbare Strecke gesehen. Das hat uns sofort überzeugt. Zurück in Hamburg hat die Idee in der Akademieleitung schnell Unterstützung gefunden. Dann sind wir Ende 2023/Anfang 2024 in die Umsetzung gegangen.
Frage 3: Was wird in der Arena konkret trainiert – eher Technik oder Kopf?
Finn Ole Block: Beides. Aber der Fokus liegt stark auf mentaler Fitness. Die Hindernisse sind Extremsituationen: eng, unübersichtlich, körperlich fordernd. Teilnehmende sollen lernen, auch unter Stress handlungsfähig zu bleiben, die Atmung zu kontrollieren und ein gutes Körpergefühl zu entwickeln. Es gibt unterschiedliche Wege und die Strecke ist modular. Wir können Elemente austauschen und weiterentwickeln.
Frage 4: Wie ist das Feedback aus den Trainings?
Finn Ole Block: Sehr positiv – gerade, weil viele so etwas vorher noch nie erlebt haben. Beim ersten Durchgang schaffen ungefähr 30 Prozent nicht die komplette Strecke, und das ist auch okay: Es geht darum, eigene Grenzen zu erkennen und im Ernstfall rechtzeitig die richtige Entscheidung zu treffen. Wichtig sind die Nachbesprechungen. Da wird der Lerneffekt oft erst richtig sichtbar.
Das komplette Interview:

Gemeinsamer Abschluss der Preisverleihung 2025.
(Foto: Björn-Arne Eisermann)
Abschluss und Ausblick
Wenn am Ende alle Preisträgerinnen und Preisträger zum Gruppenfoto zusammenkommen, wird noch einmal sichtbar, was den Förderpreis Helfende Hand seit über 15 Jahren ausmacht: Er bringt Menschen aus unterschiedlichsten Kontexten zusammen – von der kleinen Ortsgruppe bis zur Hochschule.
Eines verbindet alle: Sie wollen den Bevölkerungsschutz besser machen. BMI und BBK geben diesem Engagement einen Rahmen, machen es sichtbar und unterstützen es finanziell wie ideell. Zusätzlich werden die ausgezeichneten Projekte bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit unterstützt: Jedes Projekt erhält ein individuelles Poster sowie einen Projektfilm, der die Arbeit und das Engagement vorstellt. So profitiert die Sichtbarkeit der Projekte auch langfristig.
Die Helfende Hand erzählt Jahr für Jahr Geschichten, in denen sich viele wiederfinden können – als Ideengeber, als Ausbilderin, als Ortsbeauftragter, als kurzentschlossene Unterstützerin. Und sie macht Mut, neue Wege zu gehen. Mit Blick auf die kommende Bewerbungsrunde gilt daher: Die Bühne im Saal des Bundesinnenministeriums steht jedes Jahr wieder offen – für Projekte aus dem ganzen Land, die zeigen, was ehrenamtlicher Bevölkerungsschutz leisten kann. BMI und BBK werden dabei auch künftig gemeinsam dafür sorgen, dass diese Ideen eine Helfende Hand bekommen – und die Anerkennung, die sie verdienen.
Aufgepasst: Die Bewerbungsphase für die Helfende Hand startet am 1. März 2026!
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