22. Mai 2026 | Bericht, Einsatzberichte
Mehr als Unterstützung: Warum Ehrenamt unverzichtbar ist

Einsatzkräfte verschiedener Hilfsorganisationen beim Karnevalseinsatz.
Egal ob Feuerwehrleute, Fußballcoaches oder Flüchtlingshelfer – Ehrenamtliche sind das Rückgrat der Gesellschaft. Sie sind in schwierigen Situationen für andere da und stehen für die Allgemeinheit ein. Gerade in Zeiten von Krisen, Unsicherheiten und wachsender Einsamkeit wird deutlich, wie wichtig dieses Engagement für die Gesellschaft ist. Ehrenamt verbindet, stärkt die Gemeinschaft und macht die Demokratie widerstandsfähiger. Auch wenn sich das Ehrenamt wandelt und klassische Engagementformen durch neue, flexible Möglichkeiten ergänzt werden, bleibt eines immer gleich: Das Ehrenamt ist Dienst von Menschen am Menschen.
Welche Bedeutung das BMI diesem Engagement beimisst, wird direkt zu Beginn in Grußworten der Hausleitung deutlich: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt dankt den Engagierten, lobt die „Menschen, die ihr Wissen, ihre Zeit und ihre Kraft einsetzen, damit unser Land in Krisen funktioniert“ und betont die tragende Rolle des Ehrenamtes im Bevölkerungsschutz. Im Saal übernimmt danach Christoph de Vries, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern. Er verleiht die Auszeichnungen, wenn die Gewinnerinnen und Gewinner voller Vorfreude auf die Bühne kommen. Moderiert wird die Verleihung von Clarissa Corrêa da Silva. Sie führt leichtfüßig und herzlich durch das Programm, verbindet die Preisübergabe mit kurzen Gesprächen auf der Bühne und folgt dem roten Faden des Tages: Es geht um Menschen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise für einen modernen, inklusiven und leistungsfähigen Bevölkerungsschutz engagieren.
Ehrenamt als Fundament von Gesellschaft und Bevölkerungsschutz
Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich freiwillig und übernehmen Verantwortung für andere. Viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens würden ohne das Ehrenamt nicht funktionieren. Nicht nur die Gestaltung von Freizeit- und Gemeinschaftsangeboten oder soziale Unterstützungsleistungen brauchen Ehrenamt, sondern sogar Strukturen im Bevölkerungsschutz.
Besonders sichtbar wird das in Krisensituationen. Bei Unwettern, Naturkatastrophen oder anderen Notfällen sind ehrenamtliche Einsatzkräfte oft die Ersten vor Ort, die durch ihr Engagement nicht nur dafür sorgen, dass schnelle Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird, sondern dass sie auch langfristig und nachhaltig geleistet werden kann.
Doch Ehrenamt wirkt nicht nur im Ausnahmefall. Auch im Alltag verfehlt es seine Wirkung nicht und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem es Menschen der unterschiedlichsten Hintergründe miteinander verbindet. Gemeinsam schaffen Ehrenamtliche Unterstützungsangebote für jede Lebenslage und tragen die Gesellschaft mit – und zwar neben den Anforderungen von Beruf, Studium oder Familie.
Ein Ehrentag für alle
Der Ehrentag am 23. Mai rückt die Vielfalt des Ehrenamts in den Mittelpunkt. Er macht sichtbar, wie breit freiwilliges Engagement in der Gesellschaft verankert ist und wie wirksam es ist. Er zeigt, wie Menschen, die sich in sehr unterschiedlichen Kontexten einbringen, ein zusammenhängendes Netz an Engagement bilden und einen gemeinsamen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. Ein Beitrag, der unsere Gesellschaft stärker und belastbarer macht und weit über den Alltag hinaus wirkt.
Für unsere Demokratie ist dieses Engagement unbezahlbar. Wer sich freiwillig einbringt, erlebt, was gemeinsames Handeln bewirkt und wie im Austausch ungeahnte Lösungen entstehen. Dadurch wächst das Bewusstsein dafür, dass gesellschaftliche Prozesse auf allen Ebenen auf Beteiligung angewiesen sind und durch die Mitwirkung vieler getragen werden. Das Ehrenamt ist der Treibstoff der Demokratie. Oder, in den Worten von Bundespräsident Steinmeier: „Demokratie lebt von Menschen, die mitmachen.“
Gemeinschaft, Sinn und persönliche Entwicklung

Rettungskräfte im Einsatz: Gemeinsam für schnelle Hilfe und sichere Versorgung.
Ehrenamt bereichert das eigene Leben auf vielerlei Art. Ehrenamtliche übernehmen Verantwortung für sich und andere und werden Teil einer starken Gemeinschaft. Häufig erleben sie, dass sie durch ihr Engagement neue Fähigkeiten erwerben oder sich persönlich weiterentwickeln. Beim Technischen Hilfswerk etwa werden technische Kenntnisse und der Umgang mit belastenden Einsatzsituationen geschult, während Mitarbeitende am Sorgentelefon lernen, Menschen in seelischen Krisen einfühlsam zu begleiten. In der Jugendarbeit oder als Trainerin im Sport entwickeln sich neue Fähigkeiten in der Anleitung, Motivation und Führung von Gruppen.
Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen ihren Alltag als schnell und belastend empfinden, kann ehrenamtliches Engagement außerdem dabei helfen, zu entschleunigen und Sinn und Selbstwirksamkeit neben Beruf und Familie zu entdecken. Es verbindet Menschen mit ähnlichen Interessen und dem gemeinsamen Wunsch, einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben zu leisten. Das gemeinsame Aktiv-sein schafft Vertrauen in sich selbst und in andere, ein starkes Gemeinschaftsgefühl und nicht selten auch Freundschaften fürs Leben.
Engagement bedeutet jedoch nicht zwingend, sofort große Verantwortung zu übernehmen. Viele beginnen mit kleinen Aufgaben und wachsen Schritt für Schritt in größere hinein. Genau das macht häufig den Reiz aus: Jede Unterstützung zählt, hat einen spürbaren Effekt und kann langfristige Perspektiven eröffnen.
„Ehrenamt im Bevölkerungsschutz bedeutet, füreinander da zu sein. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer schenken anderen Menschen Zeit, Unterstützung und Sicherheit – ganz selbstverständlich und überall dort, wo Hilfe gebraucht wird. Mit ihrem Einsatz machen sie unsere Heimat jeden Tag ein Stück sicherer und stärken den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Für diese Bereitschaft und ihr Engagement verdienen sie große Anerkennung und unseren aufrichtigen Dank!“, sagt Grit Tüngler, Präsidentin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).
Wer das passende Ehrenamt noch sucht, hat beim Ehrentag die Chance, fündig zu werden. Die Aktionskarte listet bundesweit Engagementmöglichkeiten auf: https://www.ehrentag.de/aktion-finden/. Für alle, die besonders der Bevölkerungsschutz reizt, gibt es die interaktive Ehrenamtskarte des BBK: https://mit-dir-fuer-uns-alle.de/standorte-finden/.
Moderne Wege des Ehrenamts

Psychosoziale Notfallversorgung: Unterstützung und Begleitung in belastenden Situationen.
Gesellschaftliche Trends machen auch vor dem Ehrenamt nicht Halt. Neben dem klassischen „Einsatz vor Ort“ entstehen zunehmend flexible und digitale Formen des Engagements für Menschen, die helfen möchten, aber feste Termine nur schwer in ihren Alltag integrieren können. Genau hier eröffnen neue Formen des Ehrenamts zusätzliche Möglichkeiten.
Ehrenamtliche können sich auch von zu Hause aus am Laptop oder Smartphone einbringen. Sie beantworten Nachrichten, bieten Online-Beratungen an, erstellen digitale Lagekarten oder unterstützen bei Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Manche engagieren sich regelmäßig, andere übernehmen kleinere Aufgaben zwischendurch.
Dadurch wird Ehrenamt für immer mehr Menschen zugänglich. Studierende mit wechselnden Stundenplänen, Personen im Schichtdienst oder Angehörige mit familiären Verpflichtungen können sich flexibler einbringen. Diese Formen des Engagements orientieren sich stärker an den Lebensrealitäten vieler. Denn oft reichen schon kleine Zeitfenster im Alltag, um sich einzubringen.
Digitale Formen ersetzen dabei klassische Formen des Ehrenamts nicht. Sie ergänzen bestehende Strukturen und schaffen neue Zugänge. Entscheidend bleibt nicht der Ort, sondern die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und andere zu unterstützen.
Jeder Beitrag zählt
Viele Menschen würden sich gerne engagieren, wissen aber nicht genau, wie sie anfangen sollen. Dabei ist der Einstieg oft einfacher als gedacht. In jedem Ehrenamt gibt es Ansprechpersonen, die neue Ehrenamtliche begleiten, Abläufe erklären und dabei helfen, passende Aufgaben zu finden. Niemand muss sofort alles können. Das Wichtigste ist, sich einen Ruck zu geben und den ersten Schritt zu wagen.
Denn Engagement beginnt mit kleinen Schritten: einer ersten Unterstützung, einer kurzen Aufgabe oder einem einzelnen Einsatz. Mit der Zeit wächst daraus häufig mehr. Dabei kommt es nicht darauf an, wie viel Zeit jemand mitbringt. Entscheidend ist, dass Menschen bereit sind, sich einzubringen. Denn auch kleine Beiträge können viel bewirken. So zeigt Ehrenamt jeden Tag, was eine Gesellschaft stark macht: Menschen, die füreinander da sind.