5. Oktober 2026 | Bericht, Einsatzberichte
Wo im Ernstfall zerstörte Flussübergänge den Verkehr lahmlegen, zählt jede Minute und das nahtlose Zusammenspiel vieler Helfender. Bei der dreitägigen Großübung „Brückenschlag 2026“ stellten beteiligte Ortsverbände des THW in Bayern ihre Einsatzfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis. Die Zivilschutzübung zeigt, wie unverzichtbar Ehrenamtliche im Bevölkerungsschutz sind. Wenn 13 Ortsverbände Hand in Hand arbeiten, lassen sich selbst komplexe Einsatzlagen meistern.

© THW, Matthias Simbürger – Helfende des THW werden vor der Großübung „Brückenschlag“ eingewiesen.
Rund 120 Ehrenamtliche aus insgesamt 13 bayerischen Ortsverbänden nahmen an der Übung teil. Annahme des Übungsszenarios: Die Brücken in Landshut sind komplett zerstört. Im Mittelpunkt der Großübung stand deshalb der Aufbau und Betrieb einer 82 Meter langen Pontonbrücke über die Isar. Eine Pontonbrücke ist eine Schwimmbrücke, die auf Hohlkörpern – den sogenannten Pontons – auf dem Wasser aufliegt. Durch den natürlichen Auftrieb trägt die schwimmende Fahrbahn selbst schwere Einsatzfahrzeuge über Flüsse oder Seen. Sie kommt vor allem im Katastrophenschutz zum Einsatz, wenn feste Brücken zerstört wurden und eine schnelle Verbindung geschaffen werden muss.
Die Schwimmbrücke an der Isar bestand aus rund 400 Einzelteilen, wog etwa 30 Tonnen und konnte von Fahrzeugen mit bis zu 16 Tonnen Gewicht passiert werden – aufgrund der außergewöhnlichen Dimensionen und Anforderungen kein alltägliches Projekt. „Aus meiner Sicht war es gut, dass eine solche Schwimmbrücke nach 25 Jahren wieder in Landshut gebaut wurde. Es ist bei der aktuellen Lage durchaus denkbar, dass es erforderlich werden kann, solche Schwimmbrücken zu errichten. Mit dieser Übung konnte nun das erforderliche Fachwissen an die jüngeren Helfenden weitergegeben werden“, erklärt Sascha Hofstetter vom THW-Ortsverband (OV) Landshut.
Gewaltige Logistik und Millimeterarbeit: der Aufbau der 30-Tonnen-Brücke

© THW, Matthias Simbürger – Kommunikation ist im Bevölkerungsschutz besonders wichtig: Gruppenführung und Übungsleitung besprechen sich.
Bevor ein einziges Bauteil im Wasser liegt, rollt eine gewaltige Transportkette an. Das benötigte Material war auf insgesamt zwölf Anhängern und Abrollbehältern verlastet. Der Aufbau der Pontonbrücke begann daher schon frühmorgens. Lukas Hofstetter vom OV Landshut erinnert sich: „Anfangs war es stressig, da es Anlaufschwierigkeiten gab, aber dies ist bei einer Übung in dieser Größe normal. Nachdem die anfänglichen Schwierigkeiten bei der Abstimmung überwunden waren, ist die Übung erfolgreich verlaufen.“ Bis zur Fertigstellung am späten Nachmittag arbeiteten die Einsatzkräfte Hand in Hand, um die einzelnen Brückenelemente präzise und in der richtigen Reihenfolge einzubauen.

© THW, Matthias Simbürger – Die Hauptträger für die Pontonbrücke werden von Ehrenamtlichen abgeladen.
Eine der größten Herausforderungen war dabei die Logistik. Das Material musste zeitgenau vom Bereitstellungsraum zum Aufbauplatz transportiert werden. „Der Platz an der Aufbaustelle ist räumlich stark beschränkt. Eine Materialablage mit dem komplett benötigten Material war dort nicht möglich. Aus diesem Grund musste das Material, welches auf mehreren LKW-Anhänger verlastet war, ‚just in time‘ angeliefert werden“, erläutert Hofstetter. Neben dem eigentlichen Transport war daher vor allem die Koordination der einzelnen Bauabschnitte entscheidend.
Hier zeigte sich deutlich, wie wichtig eingespielte Abläufe und eine funktionierende Führungsstruktur für den Erfolg sind.

© THW, Matthias Simbürger – Hand in Hand arbeiten die Helfenden der verschiedenen THW-Ortsverbände zusammen.
Nach dem Aufbau am ersten Tag, stand am zweiten Tag der Großübung der praktische Betrieb der Schwimmbrücke im Mittelpunkt. Einsatzkräfte aus dem Regionalstellenbereich nutzten die Gelegenheit, die Isar mit ihren Einsatzfahrzeugen über die Behelfsbrücke zu überqueren und so wichtige Erfahrungen im Umgang mit dieser besonderen Infrastruktur zu sammeln. Zusätzlich rollte eine vorbereitete Fahrzeugkolonne an. Darin reihten sich Fahrzeuge des Landratsamts, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), des Malteser Hilfsdiensts (MHD), des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), des BRK-Kriseninterventionsteams (KIT) sowie der Feuerwehren mit Katastrophenschutzfahrzeugen des Bundes ein.
Erkenntnisse für künftige Einsätze der Ehrenamtlichen im Bevölkerungsschutz

© THW, Matthias Simbürger – Schwere Einsatzfahrzeuge befahren die schwimmende Brücke.
Sowohl die Einsatzkräfte als auch die Planerinnen und Planer der Regionalstelle Mühldorf zogen eine rundum positive Bilanz. Vor allem das nahtlose Zusammenspiel der Kräfte überzeugte: Trotz der räumlichen Trennung von Führungsstelle, Bereitstellungsraum und Aufbaustelle durch die Isar funktionierte die Koordination über Funk hervorragend. Der Fachzug Führung und Kommunikation steuerte die Materialbewegungen präzise, sodass die Bauteile pünktlich an der Aufbaustelle ankamen und die 82 Meter lange Schwimmbrücke wie geplant fertiggestellt werden konnte.
Auch der praktische Einsatz verlief reibungslos. Die anschließenden Testfahrten einer ganzen Fahrzeugkolonne aus verschiedenen Hilfsorganisationen bewiesen die Belastbarkeit der Infrastruktur. Gleichzeitig bot die Übung den Helfenden die wertvolle Möglichkeit, ihre eigenen Fähigkeiten unter realitätsnahen Bedingungen zu trainieren und Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. „Durch das regelmäßige Durchführen solcher Großübungen verinnerlicht man Vorgänge, verbessert die Zusammenarbeit und kann im Ernstfall schnell und schlagkräftig agieren. So konnten wir als Ortsverband für zukünftige Einsätze und Übungen unsere internen Abläufe verbessern“, findet Jonas Esslinger vom OV Landshut.

© THW, Matthias Simbürger – Die THW-Ortsverbände sind mit schwerer Ausrüstung und Geräten bei der Arbeit.
Die Übung war auch ein Brückenschlag für die Zusammenarbeit der Ortsverbände und bot Gelegenheit nicht nur für intensiven fachlichen Austausch, sondern auch die Menschen in den Uniformen besser kennenzulernen. „Da hat man mal wieder erlebt hat, wie stark die ‚THW-Familie‘ zusammenhält und miteinander arbeitet“, so Esslinger. Denn neben der erfolgreichen Logistik und dem sicheren Fahrbetrieb trug der kameradschaftliche Austausch wesentlich zum rundum positiven Gesamtergebnis bei.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nun in künftige Dienstbesprechungen und Regionalstellen-Ausbildungen einfließen. Ein starkes Zeichen für die Vorbereitung des THW auf jede Lage – und die Zukunftsfähigkeit des Ehrenamts im Bevölkerungsschutz.
Dieser Artikel von Sebastian Freudling und Sascha Hofstetter erschien im Original im THW Journal BY, 47. Jahrgang, 02/2026.