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Lernen für den Ernstfall: Studi-PUK qualifiziert Studierende für den Bevölkerungsschutz Magazin

Wenn Krisen auf Pflege treffen, wird Unterstützung besonders dringend benötigt: Ob Hochwasser, Evakuierungen oder andere Katastrophenlagen, Menschen mit Pflegebedarf gehören zu den besonders vulnerablen Gruppen. Gleichzeitig zeigen Einsätze immer wieder, dass gerade hier jede zusätzliche helfende Hand zählt.

Studierende von Studi-PUK machen eine Groß-Übung.Die Groß-Übung läuft in Westfalen-Lippe. Auch Vertreter und Vertreterinnen vom Deutschen Roten Kreuz nehmen daran teil.

Gemeinsame Großübung: Studierende und Verantwortliche des Projekts Studi-PUK von der FH Münster. | © FH Münster, Michelle Liedtke

Mit dem Projekt „Studentische Pflegeunterstützungskräfte im Bevölkerungsschutz“ (Studi-PUK) hat die FH Münster genau dafür einen Ansatz entwickelt: Es qualifiziert Studierende, damit sie Pflegekräfte im Einsatz unterstützen können. Für diesen Ansatz wurde das Projekt 2025 mit dem Förderpreis Helfende Hand in der Kategorie „Unterstützung des Ehrenamtes“ ausgezeichnet.

 

 

 

 

Ein Projekt, das eine konkrete Lücke schließt

Der Förderpreis des Bundesministeriums des Innern gilt als wichtigste staatliche Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement im Bevölkerungsschutz. Er würdigt Projekte, die neue Wege gehen. Studi-PUK überzeugt dabei weniger durch eine technische Lösung, sondern vor allem durch eine klare Idee: Das Projekt bringt Bedarf, Ausbildung und Studierende zusammen. Im Einsatz übernehmen die Studierenden pflegerische Aufgaben und entlasten so Fachkräfte.
Im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz stellt die Unterstützung pflegebedürftiger Menschen besondere Anforderungen. Genau hier setzt das Projekt an: Es qualifiziert Studierende für konkrete unterstützende Aufgaben und schafft so zusätzliche Helferinnen und Helfer für Krisen- und Notlagen.

Die Idee entstand aus der langjährigen Zusammenarbeit zwischen der Fachhochschule Münster und dem DRK-Landesverband Westfalen-Lippe. Prof. Dr. Christopher Niehues, Projektverantwortlicher an der FH Münster, erklärt: „Als wir von dem DRK-Förderprogramm für Pflegeunterstützungskräfte (PUK) gehört haben, entstand schnell die Idee für ein gemeinsames Projekt – die Qualifizierung von Studierenden zu Pflegeunterstützungskräften.“

Schon während der Coronapandemie zeigte sich, wie groß die Bereitschaft zum Engagement ist. „Viele Studierende möchten sich ehrenamtlich und sozial engagieren, haben aber oft keine passende Anbindung in Pflegeeinrichtungen“, so Niehues. Auf diese Herausforderung gibt Studi-PUK eine konkrete Antwort: Das Projekt ermöglicht Engagement – strukturiert und gut vorbereitet.

 

Ausbildung zwischen Fachlichkeit und Erfahrung

Studierende von Studi-PUK machen praktische Übungen. Und sie bereiten sich auf unterstützende Aufgaben vor.

Studierende des Projekts bereiten sich in praktischen Lehreinheiten auf unterstützende Aufgaben vor. | © FH Münster, Michelle Liedtke

Im Zentrum des Projekts steht eine kompakte, praxisorientierte Ausbildung. In 30 Unterrichtseinheiten erwerben die Studierenden grundlegende Kompetenzen, um Pflegekräfte zu unterstützen.
Melanie Plath, Projektverantwortliche an der FH Münster, betont: „Die Studierenden lernen alle relevanten Inhalte, um examinierte Pflegekräfte fundiert in der Arbeit an Patientinnen und Patienten unterstützen zu können. So lernen die Studierenden die Mobilisation und Begleitung von hilfsbedürftigen Menschen, eine angemessene Ansprache auch bei Beeinträchtigungen, aber auch die Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme oder bei grundpflegerischen Aufgaben.“ Ein besonderer Fokus liegt auf praktischen Elementen: Übungen, Rollenspiele und Selbsterfahrungen vermitteln Wissen und geben Sicherheit – auch in ungewohnten Situationen. Ziel ist es, die Studierenden so vorzubereiten, dass sie sich im Ernstfall schnell in bestehende Einsatzstrukturen einfügen.

Wie sehr diese Praxisnähe das Lernen prägt, bekunden die Erfahrungen der Teilnehmenden. Studentin Marieke beschreibt es so: „Die Absprache mit anderen Kolleginnen und Kollegen vor Ort ist unverzichtbar“, denn im Einsatzstress zählt das reibungslose Zusammenspiel vieler Beteiligter. „Ich weiß jetzt besser, welche Aufgaben ich übernehmen kann und wo meine Grenzen liegen“, sagt Studentin Josefine. Sie betont, dass sie mehr Sicherheit im Umgang mit Stresssituationen gewonnen hat.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Perspektivwechsel. „Durch die Übungen konnten wir uns in die Lage hilfsbedürftiger Menschen hineinversetzen. Das war besonders wertvoll“, sagt Studentin Lara. Diese Erfahrung ergänzt das fachliche Wissen um ein tieferes Verständnis für die Situation der Betroffenen.

 

Perspektivwechsel durch praktische Erfahrung

Studierende machen eine Schulung.Sie probieren aus, wie man mit pflege-bedürftigen Menschen umgeht.

Bei einer Übung erproben die Teilnehmenden den Umgang mit pflegebedürftigen Menschen. | © FH Münster, Michelle Liedtke

Für viele Teilnehmende verändert sich dadurch auch der Blick auf den Bevölkerungsschutz. Was zuvor abstrakt war, wird greifbar und als sinnstiftende Aufgabe erlebt. „Mir wurde die besondere Wichtigkeit des Ehrenamts durch das Projekt noch einmal nähergebracht und bewusst gemacht“, so Marieke.

Zugleich wird deutlich, dass Engagement nicht nur aus großen Einsätzen besteht. Auch unterstützende Tätigkeiten in Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen machen im Alltag einen Unterschied. „Ich habe gesehen, dass auch kleine Aufgaben eine große Wirkung haben können“, so Josefine.

Studi-PUK greift diesen Gedanken auf und bietet ein Format, das sich gut mit dem Alltag von Studierenden vereinbaren lässt. „Studierende können gerade bei großen und langanhaltenden Krisen gut unterstützen. Im Gegensatz zu Arbeitnehmern […] können sie oft einfacher ein bis zwei Wochen das Studium pausieren. Daher wollten wir für die Zielgruppe der Studierenden ein separates Ausbildungsangebot zur Pflegeunterstützungskraft schaffen“, erklärt Niehues. Mit Blick auf die weitere Entwicklung des Projekts ergänzt er: „Wir wollen eine Art PUK-Hochschulgruppe etablieren, die gemeinsam mit den DRK-Einheiten an längeren Katastrophenschutzeinsätzen teilnehmen kann.“

 

Impulse für die Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes

Studierende tauschen sich mit Praxis-Partnern aus. Das ist wichtig in dem Projekt.

Der Austausch zwischen Studierenden und Praxispartnern ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. | © FH Münster, Michelle Liedtke

Mit der Auszeichnung durch den Förderpreis Helfende Hand bekommt das Projekt zusätzliche Aufmerksamkeit und neuen Rückenwind. Plath betont: „Die Auszeichnung ist eine große Ehre und bestärkt uns maßgeblich in unserem Bestreben, Studi-PUK auszubauen und die Ausbildung auch zukünftig anzubieten. Der Preis hat das Projekt in den Fokus von Institutionen und Entscheidern gerückt und gibt uns eine gute Basis, das Projekt finanziell und materiell weiter durchführen zu können. Die Hoffnung ist, langfristig Möglichkeiten zu schaffen, das Projekt zu finanzieren und es weiter verstetigen zu können.“ Gleichzeitig rückt ein bislang wenig beachteter Bereich stärker in den Fokus: Menschen mit Pflegebedarf haben in Krisen besondere Bedürfnisse und Studi-PUK kann helfen, sie im Ernstfall besser zu versorgen.

Die Auszeichnung macht sowohl das Projekt als auch den dahinterstehenden Bedarf sichtbar. Gleichzeitig geht der Blick über den aktuellen Standort hinaus. „Unser Modell ist auf andere Hochschulen übertragbar. Am besten klappt es wahrscheinlich in Hochschulen mit Fachrichtungen im Bereich Sozialwesen, Pädagogik oder Oecotrophologie. Hier gibt es oft eine inhaltliche Nähe zu Gesundheit und Pflege. Daneben benötigt man eine Hilfsorganisation als Kooperationspartner und im Idealfall können sich die Studierenden die PUK-Ausbildung in Form von Creditpoints anrechnen lassen“, sagt Niehues.

Mit der Auszeichnung entstehen zudem neue Chancen, das Projekt langfristig zu verstetigen. Denkbar ist, das Konzept auf weitere Hochschulstandorte auszuweiten und so mehr qualifizierte Helferinnen und Helfer für den Bevölkerungsschutz zu gewinnen. Zudem kann Studi-PUK dazu beitragen, neue Zielgruppen dauerhaft für ein Engagement im Bevölkerungsschutz zu gewinnen. So entsteht ein Ansatz, der lokal wirkt und das Potenzial hat, den Bevölkerungsschutz insgesamt zu stärken.

 

Ein Modell, das verbindet

Das Projekt Studi-PUK beweist, dass sich Studium, Praxis und Engagement sinnvoll miteinander verbinden lassen. Es bringt Hochschule und Bevölkerungsschutz zusammen und verbindet theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung. So lernen Studierende, wie sie im Einsatz konkret helfen können.

Gerade angesichts wachsender Herausforderungen im Bevölkerungsschutz wird deutlich, wie wichtig solche Projekte sind. Sie ergänzen bestehende Strukturen, sprechen neue Zielgruppen an und stärken den Bevölkerungsschutz dort, wo er besonders gebraucht wird – bei den Menschen, die in Krisen auf Unterstützung angewiesen sind.

Studi-PUK zeigt damit beispielhaft, wie innovative Ideen den Bevölkerungsschutz stärken können: Durch Ausbildung, Praxisnähe und Engagement entsteht eine neue Generation von Helferinnen und Helfern. Der Förderpreis Helfende Hand macht solche Projekte sichtbar – und verdeutlicht, wie wichtig es ist, Ehrenamt weiterzudenken.