Zum Hauptinhalt springen

MIT DIR FÜR UNS ALLE Magazin

Informationen rund ums Ehrenamt

alle Filter löschen
Sortieren nach
zuerst
  • | Interviews

    Das Blaulichtprojekt Kreis Plön: Wie Neele Schwiderski und Nele Schütt Kinder für das Ehrenamt begeistern

    Das Blaulichtprojekt Kreis Plön bringt Kindern und Jugendlichen die Welt des Ehrenamts näher – spielerisch, praxisnah und mit viel Begeisterung. Ob Feuerwehr, Rettungsdienst oder Katastrophenschutz – das Projekt vermittelt wichtige Werte und fördert soziale Verantwortung. Als Preisträger des Förderpreises „Helfende Hand“ des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) setzt es ein starkes Zeichen für Engagement. Neele Schwiderski und Nele Schütt berichten, wie das Projekt entstanden ist, welche Herausforderungen es gibt und welche Ziele für die Zukunft gesetzt sind. Liebe Frau Schütt, liebe Frau Schwiderski, was ist Ihre Rolle im Blaulichtprojekt? Wir sind das doppelte Ne(e)le-Team. Oft hören wir von den Kindern bei der ersten Begegnung: „Häh, ihr heißt beide Nele?“ – und schon ist die Stimmung gelockert. Unser Team besteht aus zwei hauptamtlich angestellten Erzieherinnen: Neele Schwiderski und Nele Schütt. Neele Schwiderski ist seit Beginn des Projektes im Jahr 2022 dabei. Im Oktober 2023 kam Nele Schütt dazu. Gemeinsam sind wir die Hauptakteure des Blaulichtprojekts. Zu unseren Aufgaben gehören die Terminvereinbarung und -durchführung sowie das Vor- und Nachbereiten der Termine. Dadurch fungieren wir als Ansprechpartner und Schnittstelle zwischen den Einrichtungen und den Hilfeleistungsorganisationen. Gleichzeitig arbeiten wir stetig an der Weiterentwicklung des Projektes. Was bedeutet es für Sie, dieses Engagement mit Kindern und Jugendlichen zu teilen? Besonders wichtig ist es uns, Kinder für das Ehrenamt zu begeistern und ihre Kompetenzen zu steigern. Wir möchten Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten außerhalb der medialen Welt aufzeigen und sie für wertvolle soziale und persönliche Erfahrungen begeistern. Da wir beide selbst ehrenamtlich tätig sind, ist es uns ein Anliegen, unser Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Wie ist die Idee zum Blaulichtprojekt entstanden? Der Brand in einem Kindergarten in Bokhorst war ein entscheidendes Ereignis. Es brachte Kirsten Voß-Rahe auf die Idee, Kinder ans Ehrenamt heranzuführen und ihnen die Bedeutung von Hilfeleistungen nahezubringen. Dies entwickelte sich schließlich zu einem umfassenden Pilotprojekt, bei dem alle Hilfeleistungsorganisationen aus dem Kreis Plön beteiligt sind. Welche Lücken oder Probleme im Ehrenamt möchten Sie damit schließen? Mit unserem Projekt möchten wir den Nachwuchsmangel angehen, der in vielen Bereichen ein großes Problem darstellt. Insbesondere im Ehrenamt ist es wichtig, frühzeitig die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft zu erreichen und ihnen die Bedeutung und den Wert des Ehrenamts zu vermitteln. Indem wir Kinder und Jugendliche für ehrenamtliche Tätigkeiten begeistern, hoffen wir, langfristig auch der Gewalt gegen Einsatzkräfte entgegenzuwirken und eine positive Einstellung gegenüber Helfern in der Gesellschaft zu fördern. Was macht das Blaulichtprojekt besonders im Vergleich zu anderen Initiativen? Wir vereinen verschiedene Organisationen in einem gemeinsamen Projekt. Dies fördert die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen den Beteiligten und maximiert die Reichweite und Wirkung unserer Initiative. Unsere pädagogische Ausbildung ermöglicht es uns, den Entwicklungsstand und die Bedürfnisse der Kinder optimal zu berücksichtigen und unsere Inhalte auf kindgerechte Weise zu vermitteln. Wir legen großen Wert darauf, unser Konzept an die jeweilige Altersstufe anzupassen und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Unser übergeordnetes Ziel ist es, Kinder zu handlungsfähigen Erwachsenen zu schulen, die in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen und positiv zur Gesellschaft beizutragen. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den kooperierenden Organisationen THW, Johanniter, ASB, Freiwillige Feuerwehr, DRK und DLRG? Die Blaulichtorganisationen unterstützen uns aktiv bei der Durchführung der Termine. Sie begleiten uns mit Einsatzfahrzeugen und zeigen diese den Kindern, was stets für große Begeisterung sorgt. Darüber hinaus unterstützen sie uns mit der Bereitstellung von Materialien und teilen ihr umfangreiches Fachwissen mit uns. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht es uns, den Kindern und Jugendlichen einen praxisnahen Einblick in die Arbeit der Hilfsorganisationen zu geben und das Projekt erfolgreich umzusetzen. Wie läuft die organisatorische Abstimmung zwischen den Beteiligten ab? Gibt es feste Strukturen oder regelmäßige Treffen? Die organisatorische Abstimmung zwischen den Beteiligten erfolgt durch regelmäßige Treffen mit allen beteiligten Organisationen. Diese Zusammenkünfte ermöglichen einen direkten Austausch und die Planung gemeinsamer Aktivitäten. Die Terminabsprachen erfolgen hauptsächlich telefonisch oder per Mail. Für die Zusammenarbeit haben wir feste Ansprechpersonen der einzelnen Organisationen bestimmt. Mit diesen koordinieren wir die Termine und stellen sicher, dass alle Beteiligten gut informiert und eingebunden sind. Was waren bisher die größten Erfolge des Projekts? Einer der größten Meilensteine war der Gewinn des ersten Platzes bei der Auszeichnung Helfende Hand. Diese Anerkennung bestätigt uns in unserer Arbeit und motiviert uns, weiterzumachen. Ein weiteres bedeutendes Highlight ist die Fortführung des Projekts nach zwei Jahren „Probezeit“. Die positive Resonanz und die Erfolge der ersten beiden Jahre haben uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gab es Herausforderungen bei der Umsetzung, und wie haben Sie diese gemeistert? Zu Beginn standen wir vor der Aufgabe, das Projekt in der breiten Öffentlichkeit und bei den relevanten Zielgruppen bekannt zu machen. Es war entscheidend, möglichst viele Bildungseinrichtungen zu erreichen und für das Projekt zu begeistern. Um diese Herausforderung zu meistern, haben wir uns mit den Schulen und Kindergärten in Verbindung gesetzt, um unser Projekt vorzustellen und Kooperationen anzuregen. Weitergehend haben wir einen Flyer entwickelt und diesen allen Bildungseinrichtung im Kreis zukommen lassen. Außerdem haben wir uns auf Mund-zu-Mund-Propaganda verlassen. Die positive Resonanz und das Engagement der Teilnehmer haben dazu beigetragen, dass sich unser Projekt schnell herumgesprochen hat. Welche konkreten Schritte möchten Sie in der Zukunft unternehmen, um das Projekt weiter auszubauen? In der Zukunft möchten wir mehrere konkrete Schritte unternehmen, um das Blaulichtprojekt weiter auszubauen. Ein wichtiger Aspekt ist, mehr Schulen ins Boot zu holen und sie aktiv in unser Projekt einzubinden. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen können wir eine größere Anzahl von Kindern und Jugendlichen erreichen und ihnen die Bedeutung des Ehrenamts näherbringen. Darüber hinaus planen wir, unser Konzept stetig zu überarbeiten und weiterzuentwickeln, um die Kinder bestmöglich zu erreichen. Indem wir regelmäßig Feedback einholen und unsere Methoden anpassen, stellen wir sicher, dass unser Projekt stets den aktuellen Bedürfnissen und Interessen der Kinder entspricht. Welche Unterstützung wünschen Sie sich dabei? Für die Zukunft wünschen wir uns vor allem die Unterstützung der Schulen. Eine enge Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen ermöglicht es uns, mehr Kinder und Jugendliche zu erreichen und sie für das Ehrenamt zu begeistern. Außerdem ist uns die weitere gute Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen sehr wichtig. Ihre Unterstützung und ihr Fachwissen sind entscheidend für den Erfolg unseres Projekts.  Diese beiden Säulen – die Unterstützung der Schulen und die enge Kooperation mit den Hilfsorganisationen – sind essenziell, um unser Projekt weiterhin erfolgreich umzusetzen. Was möchten Sie Kindern, Eltern und potenziellen Unterstützern noch mit auf den Weg geben? Nicht wegschauen! Es ist wichtig, dass wir alle, egal wie, helfen. Jeder Beitrag zählt und kann einen positiven Unterschied in unserer Gemeinschaft machen. Wir möchten zeigen, wie wichtig und sinnvoll ehrenamtliche Arbeit ist. Gemeinsam können wir viel erreichen und eine bessere Zukunft für uns alle schaffen. Engagiert euch, denn euer Einsatz ist wertvoll und wird gebraucht. Das Blaulichtprojekt Kreis Plön beweist, dass frühe Einblicke ins Ehrenamt nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch langfristiges Engagement fördern können. Durch praxisnahe Erfahrungen und enge Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen schafft das Projekt nachhaltige Begeisterung – und leistet damit einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft.
    weiterlesen
  • | Interviews

    Vier Fragen an Ralph Tiesler, Präsident des BBK

    Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sind eine große Unterstützung für die Gesellschaft: Man findet sie als Trainerinnen und Trainer in Sportvereinen oder als Organisatorinnen und Organisatoren von Kulturveranstaltungen. Sie arbeiten mit Geflüchteten oder helfen Menschen ohne festen Wohnsitz. Sie kümmern sich aber auch um unsere Sicherheit, löschen Feuer und versorgen Verletzte. Über die Bedeutung des Ehrenamts haben wir mit Ralph Tiesler, dem Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gesprochen. Wie wichtig sind die ehrenamtlich Engagierten im Bevölkerungsschutz in Deutschland? „Unfälle und Katastrophen können sich jederzeit ereignen. Ihre Auswirkungen können jeden Menschen und jedes Gemeinwesen treffen. In Deutschland sind in diesen Schadenslagen viele Ehrenamtliche mit dabei, über 90% aller Einsätze werden durch sie getragen. Damit sind sie maßgeblich an der Gewährleistung unser aller Sicherheit beteiligt. Das gilt auch für den Zivilschutz, also den Schutz der Bevölkerung im Spannungs- und Verteidigungsfall.“ Und in welchen Bereichen kommen Ehrenamtliche zum Einsatz? „Zum Beispiel rücken sie bei Verkehrsunfällen an. Sie verstärken Deiche, retten Menschen aus ihren Häusern oder sichern Gebäude bei Hochwasserereignissen. Die technische Hilfe, wie z.B. die Notstromversorgung von Krankenhäusern oder der Aufbau von Brücken, zählt auch zu ihren Aufgaben. Es muss jedoch nicht immer der Blaulichteinsatz sein: Tausende von ehrenamtlichen Schwimmtrainerinnen, Ausbildern in der Ersten-Hilfe, Statisten bei Übungen oder Administratorinnen vor dem PC spielen eine ebenso wichtige Rolle.“ Und wenn man sich nun im Bevölkerungsschutz ehrenamtlich engagieren möchte? Wie geht das? „Auf unserer Kampagnenwebseite stellen sich alle Organisationen vor. Dadurch bekommt man einen Einblick in die vielen unterschiedlichen Tätigkeiten. Im Sommer haben wir eine interaktive Deutschlandkarte veröffentlicht. Interessierte können nun über eine einfache Postleitzahlsuche schauen, wo sie sich in ihrer Nähe engagieren können und direkt Kontakt aufnehmen. Einfach anrufen oder E-Mail schreiben, hingehen und mitmachen.“ Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass sich möglichst viele Menschen ehrenamtlich engagieren? „Oh, die Liste ist ziemlich lang. Zum einen stellt uns der Klimawandel oder auch die veränderte Sicherheitslage vor große Herausforderungen. Der Staat kann die Vorsorge und den Schutz von Millionen Menschen nicht ausschließlich durch hauptamtliches Personal leisten. Unser Hilfeleistungssystem baut auf starker Partnerschaft zwischen Staat und Gesellschaft auf. Zum anderen ist es aus individueller Sicht sinnvoll, sich zu engagieren. Man lernt dadurch, wie man sich und anderen helfen kann. Ehrenamtliche gestalten unsere Gesellschaft. Ihr Engagement hält uns als Gesellschaft zusammen.“
    weiterlesen
  • | Bericht

    16 Auszeichnungen bei der 16. Helfenden Hand

    „Langsam wird die Helfende Hand volljährig“ – so ordnete Bundesministerin Nancy Faeser die lange Tradition der nun 16. Verleihung des Förderpreises „Helfende Hand“ ein. Dieser wurde 2009 ins Leben gerufen, um das ehrenamtliche Engagement im Bevölkerungsschutz auszuzeichnen. Eine Tradition, die auch dieses Mal mehr war, als eine Preisverleihung. Denn der persönliche Austausch zwischen den Nominierten und den Köpfen der Hilfsorganisationen über Projekte und Ideen bildete auch in diesem Jahr den lebendigen Rahmen der Gala im Dienstgebäude des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI). Mit an die 120 Teilnehmenden war der Saal prall gefüllt, als das Berliner Trio „Stand Arts“ mit einem Stil-Mix von Bossa Nova bis zu Chanson den festlichen Part begleitete – ein musikalischer Spiegel der Vielfalt des Ehrenamts im Bevölkerungsschutz. Moderatorin Susanne Schöne konnte bereits in ihrer Begrüßung einen Rekord vermelden: Mit 640 Einreichungen haben sich in diesem Jahr mehr Projekte um einen der Preise beworben als je zuvor.  Das bedeutete zunächst viel Arbeit für die Jury, die die schwierige Aufgabe zu bewältigen hatte, würdige Nominierte und schließlich Preisträger auszuwählen. Vor allem bedeutete es aber für die anwesenden Nominierten im Saal, bereits Hunderte anderer Bewerbungen hinter sich gelassen zu haben, so dass sich, wie es Susanne Schöne einordnete, alle, die es nach Berlin geschafft haben, bereits vor der Verleihung als Siegerprojekte verstehen konnten. Gastgeberin Nancy Faeser erinnerte an die gestiegene Bedeutung des Bevölkerungsschutzes in Deutschland, getrieben von Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen als Folgen der Klimakrise auf der einen Seite und Krieg mitten in Europa auf der anderen. Dieser möge allen eine Mahnung sein, „unser Land resilienter zu machen“. „Wir haben uns zu sicher gefühlt“, fasste die Bundesministerin die Bedrohungslage zusammen. „Auch unsere starke Gesellschaft ist verwundbar“. Um dem entgegen zu wirken, wurden etwa im Bereich des Warnsystems erhebliche Investitionen getätigt, doch auch unmittelbare Verbesserungen für die zahlreichen Ehrenamtlichen seien notwendig. Dies wurde etwa durch Berücksichtigung bei Rentenansprüchen, aber auch durch Strafverschärfungen für Angriffe auf Helferinnen und Helfer bereits umgesetzt. Auch der jährliche Bevölkerungsschutztag sowie das Gemeinsame Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz, getragen von diversen Akteuren auf Bundes- und Landesebene, sind in den Augen der Bundesministerin Beispiele für die Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes. Erfolgsfaktor Kooperation Das Kooperationsprinzip verschiedener Organisationen, wie sie das Kompetenzzentrum auszeichnet, bildete in der Folge auch den roten Faden für viele Projekte, die mit der Helfenden Hand ausgezeichnet wurden. So wurden auffällig viele Projekte von mehreren Akteuren gemeinsam aufgesetzt. Dabei reichten einige Partnerschaften über den Kreis der klassischen Hilfsorganisationen hinaus. So ging der Dritte Platz in der Kategorie „Innovative Konzepte“ an das Projekt „Notläuten“, wo das Glockenläuten von sechs evangelischen und katholischen Kirchen Lücken im lokalen Sirenennetz füllt und so hilft, im Ernstfall die Bevölkerung auf eine Sondersituation aufmerksam zu machen. Möglich wurde das durch die kreative Kooperation des örtlichen Katastrophenschutzes mit den Kirchengemeinden. Im Kreis Plön haben sich gleich sechs Organisationen (ASB, DLRG, DRK, FFW, JUH und THW) zusammengetan, um Kita- und Schulkindern die Arbeit in Blaulichtorganisationen nahezubringen. So konnten sie den Kindern und Jugendlichen lebensnahe Erfahrungen vermitteln, individuell zugeschnitten auf die jeweilige Bildungseinrichtung, vom Teddykrankenhaus bis zum Pflasterführerschein. Lohn der Arbeit für das „Blaulichtprojekt“ war eine Vielzahl von Interessenten für den Einstieg ins Ehrenamt – und der erste Platz in der Kategorie „Nachwuchsarbeit“. Auch der Sieger in der Kategorie „Unterstützung des Ehrenamtes“ hat ein breites Netzwerk eingebunden: Die Servicestelle Ehrenamt beim Landratsamt Würzburg hat für ihre Zusammenarbeit mit ASB, DLRG, DRK, FFW, JUH, MHD, THW und anderen den markanten Namen „FEEL FR.E.E.“ ersonnen, um den Leitsatz von freiwillig, ehrenamtlich und engagiert zusammenzufassen. Das Projekt hat bisher 570 junge Menschen motivieren können, während eines Schuljahres in die Strukturen und Arbeitsweisen im ehrenamtlichen Bevölkerungsschutz hineinzuschnuppern. Ein neues Bild boten auch die Gewinner des Dritten Preises in der Kategorie „Unterstützung des Ehrenamtes“. Denn die Reservistenkameradschaft Dormagen nahm ihren Preis für ihr Engagement beim Deichschutz im Bundeswehr-Feldanzug entgegen. Eine Motivation für Ehrenamtler jenseits der klassischen Organisationen im Zivil- und Katastrophenschutz, sich um die Helfende Hand zu bewerben. Auch der Publikumspreis, über den nicht die Jury, sondern über die Website abgegebene Stimmen entschieden haben, ging an ein Gemeinschaftsprojekt: den „Aktionstag Katastrophenschutz“ an 40 Schulen, getragen von ASB, DFV/FFW, DLRG, DRK, JUH, MHD und THW. Auf der Bühne lüfteten die froh gestimmten Organisatoren das Geheimnis ihres Erfolges – sie hätten für diesen Erfolg um Stimmen aus ganz Baden-Württemberg geworben. Den Abschluss des Festaktes bildete der für viele vielleicht wichtigste Teil: Der persönliche Austausch von Projekt zu Projekt, um sich inspirieren zu lassen und Verbindungen über Regionen und Organisationen hinweg zu knüpfen. So wurden teilweise schon erste Projektideen für die nächste Helfende Hand diskutiert. Eine Beschreibung aller ausgezeichneten Projekte findet sich hier.                
    weiterlesen
  • | Interviews

    Ehrenamt gegen Einsamkeit im Alter? Im Interview mit Frank Twardy

    Heute sprechen wir mit Frank Twardy. Er engagiert sich seit 2017 ehrenamtlich bei den Maltesern. Im Gespräch erzählt uns der 58-Jährige, wie er zu den Maltesern gefunden hat, wie die Zusammenarbeit zwischen jüngeren und älteren Kameraden funktioniert, warum das Ehrenamt ihn an Rock‘n’Roll erinnert und wie es vielleicht vor Einsamkeit im Alter schützen kann. Herr Twardy, vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit nehmen, mit uns zu sprechen. Wir beginnen einmal am Anfang, wie sind Sie zu den Maltesern gekommen? Hallo! Ich bin jetzt seit 24 Jahren beim Malteser Hilfsdienst. Davon aber nicht die ganze Zeit in der aktiven Tätigkeit, sondern als passives Mitglied, sozusagen als Fördermitglied. Und wie ich zu den Maltesern gekommen bin? Daran waren hauptsächlich meine Eltern beteiligt. Mein Vater war zu Lebzeiten auch aktives Mitglied im Katastrophenschutz. Auch bei den Maltesern. Er nahm mich, sofern möglich, öfters mal zu seinen Einsatztätigkeiten mit. Also Sie sind seit 24 Jahren bei den Maltesern, aber seit wann als aktives Mitglied tätig? Seit 2017, nachdem beide Elternteile verstorben waren. Ich war dann im Besuchsdienst für die Malteser unterwegs, also um einsamen Menschen zur Seite zu stehen. Älteren Menschen, die vielleicht keine Angehörigen mehr haben. Mit denen bin ich rausgegangen und wir haben uns unterhalten. Ich habe sie dann aus dem Heim abgeholt. Eine Dame zum Beispiel konnte nicht mehr eigenständig raus, weil sie nicht mehr mobil war. Und sofern das Wetter einigermaßen warm war, haben wir den Rollstuhl gepackt und sind zum Tegeler See gelaufen, um ein bisschen spazieren zu gehen und haben uns dabei unterhalten. Die Dame ist dann allerdings mit 93 Jahren verstorben. Sie war zu Corona-Zeiten im Heim und das war auch nicht so einfach. Die Heime wurden ja dann auch quasi abgeriegelt. Und dann habe ich für mich überlegt: möchtest du den Besuchsdienst weitermachen? Oder vielleicht auch noch einmal neue Themen kennenlernen? Weil mich medizinische Dinge interessieren, technische Dinge und die sozialen Bereiche. Malteser sein ist eben nicht nur Blaulicht, sondern hat verschiedene Komponenten. Und so bin ich beim Betreuungsdienst gelandet. Beim Betreuungsdienst geht es um die Betreuung von Verunfallten am Einsatzort. Und um die Versorgung der Hilfskräfte, die Feuerwehr, die Polizei und die anderen Hilfsdienste. Man ist eine Schnittstelle. Was bedeutet das genau? Die Versorgung der Hilfskräfte? Versorgung der Hilfskräfte bedeutet dann gegebenenfalls zum leiblichen Wohl auch eine Mahlzeit aushändigen zu können, Getränke bereitzustellen, Tee oder warme Suppe zu bringen, wenn es erforderlich ist. Wenn man sieht: Hier geht es nicht um eine Stunde Tätigkeit von Einsatzkräften, sondern um einen wesentlichen längeren Zeitraum. Was ist für Sie das Beste an der ehrenamtlichen Arbeit? Wie kann man das am besten beschreiben? Es ist eine Kombination von vielen Dingen. Also erst mal vielleicht den eigenen Interessen nachgehen zu können, aber auch helfen zu können, wenn man gebraucht wird. Man hat außerdem die Möglichkeit, flexibel zu sein. Ehrenamt bedeutet nicht: Du musst helfen. Du musst an allen Veranstaltungen oder an allen Einsätzen teilnehmen. Sondern man kann. Jeder hilft, wie er es kann. Man kann ohne Einsatz finanzieller Mittel einen Teil von sich mit einbringen ganz nach seinen persönlichen Fähigkeiten und Interessen. Man kann dazulernen, von anderen oder aus den Einsätzen und Erlebnissen. Man kann aber auch an Weiterbildungen teilnehmen – auch einfach digital. Ich wollte auch einer Tätigkeit mit christlich-menschlichem Hintergrund nachkommen. Und die Malteser sind ja eine christliche Organisation. Was sonst noch zählt? Teamgeist. Menschlichkeit. Gemeinsamkeit. Neue Herausforderungen. Neue Themen kennenzulernen. Miteinander zu üben, zu trainieren. Also tatsächlich auch das Kollegiale? Einerseits der Aspekt der neuen Herausforderung und Weiterbildungsmöglichkeiten, andererseits aber auch der der Aspekt des Gemeinsamen? Absolut. Ich sag es mal so: Das Ehrenamt verbindet. Man hat gleiche Ziele trotz oftmals sehr unterschiedlicher Persönlichkeiten. Das macht es spannend. Niemals allein zu sein, das sagt schon der Leitsatz der Malteser aus: „Weil Nähe zählt“. Man hilft sich untereinander und nicht nur sich selber, sondern man ist auch für die Gesellschaft da. Und in welchen Situationen merkt man bei den Maltesern den Zusammenhalt am meisten? Zuallererst bei den realen Einsätzen. Da guckt man zuerst: wie kann man helfen? Was ist die Situation? Welche Ressourcen sind da? Welche Ressourcen sind schon gebunden? Wer ist überhaupt verfügbar? Da denke ich schon, dass das eine große Hilfe untereinander und Bereitschaft erfordert. Außerdem finden regelmäßig Gruppenabende statt, wo ein Austausch und ein Miteinander stattfindet. Hier redet man natürlich viel über die ehrenamtliche Arbeit, aber auch über Privates. Es finden gemeinsame Veranstaltungen statt, also auch zu besonderen Anlässen. Ein Jubiläum zum Beispiel. Eine Weihnachtsfeier gibt es auch, mit einer entsprechenden christlichen Messe dazu, da kommen alle zusammen. Auch gibt es eine Jahresauftaktveranstaltung mit Anwesenheit des Bischofs von Berlin. Es gibt viele Möglichkeiten, wo man nicht alleine sein muss und Anschluss findet. Und wenn es einer Person nicht gut geht im Team, ist man dann füreinander da? Ja. Bei mir war es zum Beispiel mal eine Situation, wo aus meinem Bekanntenkreis Hilfe benötigt worden ist. Ich wusste auch zu dem Zeitpunkt nicht, wie ich helfen konnte und habe dann aber meine Malteser-Kontakte nutzen können und gefragt: Hey, wer könnte da helfen oder Anlaufstellen benennen. Und die haben mich dann unterstützt. Das ist toll, diese Vernetzung. Und man steht wirklich nicht alleine da. Im Ehrenamt kommen ja viele unterschiedlichen Menschen zusammen, auch viele Menschen unterschiedlichen Alters. Bei den Maltesern gibt es ja jüngere und ältere Kollegen – wie erleben Sie den Umgang miteinander bei den Maltesern? Im Rahmen meiner beruflichen Ausbildung habe ich es so kennengelernt, dass die Jüngeren und Älteren miteinander zusammen tätig sein können. Ich verbinde das so ein bisschen mit der Musikszene. Ich spreche jetzt mal nicht von „den Älteren“, sondern von den „Stars“. Die nehmen die Newcomer mit auf die Bühne ins Vorprogramm oder ins Mittelprogramm, um den Newcomern die Möglichkeit zu geben, weiterzukommen. So ist das bei den Maltesern auch ein bisschen. Auch das Umfeld ist etwas wie Musik, wie Rock ’n‘ Roll: von total entspannt, relaxed gemeinsam einen Dienstagabend verbringen bis hin zu Rock ’n‘ Roll in einem Einsatz, wo jeder gefordert ist. So kann man das ungefähr darstellen. Wenn man einen Einsatz hat, dann ist man ja meistens nicht alleine unterwegs. Wie viele sind dann ungefähr immer im Einsatz? Das ist ganz unterschiedlich. In der Regel fährt man mindestens zu zweit. Das hängt aber von den Diensten ab – was gefordert wird in den Diensten. Also wenn man jetzt Großveranstaltungen nimmt, da werden ja auch nicht nur die Malteser angefragt, sondern eigentlich alle Hilfsorganisationen, die verfügbar sind. Zum Beispiel zur Europameisterschaft werden dann alle Kräfte gebeten, sofern möglich, zu helfen. Da findet auch ein großes Miteinander statt, weil man sich gemeinsam organisieren muss. Das klappt aber auch immer gut. Wie ist so ungefähr die Altersspanne unter den Kameraden und Kameradinnen mit denen Sie öfter zusammenarbeiten? Das ist hochinteressant, weil es bei Maltesern ja schon die Möglichkeiten gibt, mit 16/17 Jahren als Schulsanitäter dabei zu sein. Für bestimmte Tätigkeiten muss natürlich die Volljährigkeit gegeben sein. Und von da ist alles möglich: von 18 bis ca. 65 – das ist ein breites Spektrum. Sie sagten gerade, dass ihre Zusammenarbeit so wie Rock ’n‘ Roll ist. Die Stars nehmen die Newcomer mit auf die Bühne. Ist das so, dass die Jüngeren von den Älteren lernen? Oder ist es manchmal sogar umgekehrt? Es ist auch umgekehrt. Deswegen wollte ich auch bewusst nicht von den Älteren sprechen, sondern eher von den Stars, weil ich ja vielleicht persönlich älter bin, aber auch von den Jüngeren lerne. Und Jüngere können wiederrum vielleicht andere Dinge von Älteren für sich mitnehmen oder Erfahrung sammeln. Also es ist auch keinesfalls eine Einseitigkeit. Werden ältere Kollegen anders eingesetzt als jüngere oder übernehmen andere Tätigkeiten? Man hat schon die Möglichkeit, auch Tätigkeiten zu wählen, die körperlich und mental etwas weniger fordernd sind als zum Beispiel die Notfallrettung. Beispielsweise im Betreuungsdienst, wo man sich dann eher zwischen der Situation und den Einsatzkräften befindet. Im Betreuungsdienst und im Besuchsdienst kann man zum Beispiel noch gut mit 65 helfen, oder auch in der Nachbarschaftshilfe oder der Flüchtlingshilfe. Wann denken Sie, ist man zu alt fürs Ehrenamt? Ich denke, da gibt es keine Altersgrenze. Das liegt allein an der persönlichen Einschätzung – wie jung man im Herzen geblieben ist. Und wie lange man es selbst körperlich und mental machen kann und möchte. Gerade sind Sie noch berufstätig. Was machen Sie beruflich? Ich bin Bankkaufmann. Also eine ganz andere Richtung. Gerade bei Menschen, die in Rente gehen, entsteht ja auch eine Lücke. So dass dann vielleicht auch der Wunsch aufkommt, die neue freie Zeit irgendwie sinnvoll zu nutzen. Haben Sie sowas schon mal in Ihrem Umfeld erlebt? Ich kann eigentlich nur für mich selbst sagen: Ja, das ist ein Thema, das einem durch den Kopf geht. Man denkt, wenn du eines Tages vielleicht nicht mehr 110 % in deinem Hauptberuf unterwegs sein musst, hat man ja in der Lebensphase mehr Zeit zur Verfügung. Und wie kann man die sinnvoll nutzen? Das ist durchaus ein Thema, das ich mir auch persönlich überlegt habe und wo ich denke: ja, das Ehrenamt ist eine sinnvolle Aufgabe – aus Interesse und Freude an der Sache heraus. Das wird vermutlich auch nicht 100 % meiner Zeit einnehmen, wenn man vielleicht auch noch ein anderes Hobby hat oder Ähnliches. Aber es ist durchaus denkbar für mich, dass es dann auch später weiterhin einen größeren Teil einnimmt. Das ist gut vorstellbar. Wenn Menschen in Rente gehen oder sich später in einem Pflegeheim befinden, sind leider viele von Einsamkeit betroffen. Insbesondere, wenn durch den Wegfall des Berufs teilweise auch die sozialen Kontakte schwinden. Möglicherweise sind auch die Kinder aus dem Haus. Glauben Sie, dass ein Ehrenamt gegen Einsamkeit helfen kann? Ja, bestimmt. Ich glaube, wenn man Freude selber schenken kann, kommt auch eine gewisse Freude zurück. Ich habe neulich in den Öffis durch Zufall mit einer älteren Dame gesprochen. Sie hatte mich angesprochen und erzählt, dass sie voll ausgebildete Stationsschwester sei. Und vor drei Jahren sei ihr Mann verstorben. Und ich habe sie dann gefragt, wenn sie die Ausbildung hat, hätte sie dann nicht Lust irgendwo was zu machen im Bereich Unterstützung? Dann sagte sie mir: das ist vielleicht gar kein schlechter Gedanke. Wir haben vorhin schon mal kurz darüber gesprochen, dass das Ehrenamt sehr viele unterschiedliche Menschen zusammenbringt, Jüngere, Ältere, aber auch völlig unterschiedliche Persönlichkeiten. Denken Sie also, dass das möglicherweise auch Konflikte hervorruft? Oder dass es auch ein Vorteil sein kann, dass das man Menschen kennenlernt, die man sonst nicht kennengelernt hat? Auf jeden Fall. Das ist doch total spannend, Menschen kennenzulernen, die vielleicht auch anders ticken. Was die Hobbys und Interessen angeht, gibt es da ganz unterschiedliche Richtungen, zum Beispiel IT oder Wassersport. Und auch Berufe: Von Elektro zu Projektarbeiten, IT-Projekte bis Bildungswesen, Kinder, Schule gibt’s da alles – total unterschiedlicher Natur. Man sieht, dass in der gesamten Gesellschaft nicht überall alles rund läuft. Dass es überall Ecken und Kanten, Probleme und Hürden zu meistern gibt. Und da sieht man: jede Branche hat ihre Besonderheiten, aber irgendwo auch Ähnlichkeiten. Wenn ich jetzt bei den Maltesern mitmachen möchte, wie läuft das ab? Wo kann ich mich informieren, wo kann ich mich melden, mit wem kann ich sprechen? Man kann zum Beispiel bei den Geschäftsstellen, auch der Hauptgeschäftsstelle anrufen und nachfragen. Beispielsweise beim Referat Ehrenamt. Es gibt auch Informationsbroschüren dazu, welche Bereiche es alles gibt, wo man sich vielleicht vorab mal informieren kann. Im Web kann man sich die Malteser-Seite angucken: Was wird eigentlich gemacht? Wir machen ja wie gesagt alles vom Schuldienst bis zur Hundestaffel. Es ist so viel möglich von Flüchtlingshilfe, Betreuungsdiensten, Besuchsdienst, Nachbarschaftshilfe, Integration bis hin zu Hospiz. Und man ist auch nicht festgelegt, dass man sagt: ich gehe in einen Bereich für immer und ewig und dann ist man da festgenagelt. Nein, man hat auch die Möglichkeit zu sagen: jetzt möchte ich auch mal was anderes machen. Und ein Ehrenamt lässt sich ja auch sehr flexibel handhaben. Das heißt ja nicht, man muss jetzt soundso viele Stunden im Monat in einem Jahr machen, sondern jeder so wie er kann und möchte. Was jeder bereit ist zu geben von seiner Zeit.
    weiterlesen
  • | Gastbeiträge

    Wie ein Ehrenamt die geistige Leistungsfähigkeit steigern kann

    Wir haben es schon lange vermutet, jetzt ist es sogar wissenschaftlich bestätigt: Ein Ehrenamt hilft nicht nur der Gesellschaft, sondern kann auch die eigene kognitive Leistungsfähigkeit verbessern. Zu diesem Schluss kommt auch ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Digitalen Demenzregisters Bayern (digiDEM Bayern). In einer systematischen Übersichtsarbeit hat das Team die Zusammenhänge zwischen ehrenamtlicher Tätigkeit und kognitiver Leistungsfähigkeit untersucht. Hierfür analysierten die Forschenden insgesamt 14 Studien aus aller Welt, die zwischen 2017 und 2021 erschienen waren. Mit dabei waren Studien aus Korea, Taiwan, Brasilien, England, England/Schottland, Neuseeland, China, Japan und den USA. Die Forschenden der FAU kamen zu dem Schluss, dass neun der Studien auf einen positiven Zusammenhang zwischen Ehrenamt und Gehirnfunktionen hinweisen. Diese Funktionen umfassen zum Beispiel Wahrnehmung, Denken, Aufmerksamkeitsfähigkeit und Sprachvermögen. Allerdings ist sich die Wissenschaft uneins, ob sich die Häufigkeit des Engagements proportional auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirkt. Schließlich kann eine zu hohe Beanspruchung durch das Engagement zu Stress führen. Die Ergebnisse der Studie sind besonders für die Prävention von Demenzerkrankungen relevant. Zwar sind die Ursachen einer Demenzerkrankung ebenso vielfältig wie komplex, jedoch gibt es auch Risikofaktoren, die veränderbar sind wie zum Beispiel Übergewicht oder Rauchen. Auch geringe Bildung kann die kognitive Reserve beeinflussen. Hier kann ein Ehrenamt gegensteuern – schließlich fordern ehrenamtliche Tätigkeiten das Gehirn und trainieren die kognitiven Fähigkeiten. So gilt es im Zivil-und Katastrophenschutz eine komplexe Situation schnell zu erkennen und eine zielgerichtete Lösung zu finden. Ein Ehrenamt kann so das Risiko der Entwicklung kognitiver Defizite verhindern oder hinauszögern. Zwei der 14 untersuchten Studien haben sogar gezeigt, dass Menschen mit einem niedrigeren Bildungsniveau mehr von den Vorteilen des Ehrenamts für die kognitive Leistungsfähigkeit profitieren als Personen mit einem höheren Bildungsniveau. Aber auch andere Risikofaktoren für Demenz werden durch ein Ehrenamt potentiell vermindert. Das Kameradschaftsgefühl in den Organisationen des Zivil- und Katastrophenschutzes gibt sozialen Halt und wirkt Isolation entgegen. Auch gibt es immer etwas zu tun, sodass körperlichen Inaktivität – ein weiterer Risikofaktor – effektiv vermieden wird. Es ist übrigens nie zu spät, das eigene Demenzrisiko zu senken. Die Studie zeigt, dass das Risiko für eine Demenzerkrankung auch noch in späteren Lebensabschnitten deutlich sinken kann, wenn (zum Beispiel durch ein Ehrenamt) mehrere Faktoren gleichzeitig reduziert werden. Dies ist gerade für Frauen relevant, da diese statistisch häufiger an einer Demenz erkranken. Ein Garant dafür, ohne Demenz zu altern, ist ein Ehrenamt natürlich nicht. Darauf weist auch die Hauptautorin der Studie hin. So konnte nur ein positiver Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten – nicht auf das Demenzrisiko – bestätigt werden. Für eine klare Prognose seien die Ergebnisse zu unterschiedlich gewesen. Wir sind uns aber trotzdem sicher, die vielseitigen Aufgaben eines Ehrenamtes im Zivil- und Katastrophenschutz halten Geist und Körper fit! Wer mehr über die Studie erfahren möchte, kann das hier tun: https://www.fau.de/2023/07/news/wissenschaft/ehrenamt-staerkt-die-eigene-geistige-leistungsfaehigkeit/ Die Studie selbst ist im Journal of Multidisciplinary Healthcare erschienen. Anne Keefer, Kathrin Steichele, Elmar Graessel, Hans-Ulrich Prokosch, Peter L Kolominsky-Rabas: Does Voluntary Work Contribute to Cognitive Performance? – An International Systematic Review
    weiterlesen
  • | Interviews

    Vier Fragen an Ralph Tiesler, Präsident des BBK

    Wenn in Deutschland in großem Umfang Menschenleben, die Umwelt, privates Eigentum oder wichtige öffentliche Einrichtungen gefährdet sind, kommen in der Regel viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus dem Katastrophenschutz zum Einsatz. Sie wurden speziell ausgebildet, um ihre Mitmenschen in Notsituationen zu unterstützen. Doch neben dem Katastrophenschutz gewinnt auch der Zivilschutz immer mehr an Bedeutung. Was dieser Begriff bedeutet und warum auch hier ehrenamtliche Mitarbeit so wichtig ist, erklärt Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Herr Tiesler, welche Aufgaben hat der Zivilschutz in Deutschland? „Im Kern beinhaltet der Zivilschutz alle nicht-militärischen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor kriegerischen Einwirkungen. Darunter fallen zum Beispiel die Warnung der Bevölkerung vor Bedrohungen, die Evakuierung und Betreuung von Betroffenen, die Versorgung von Verletzten, die Instandhaltung von Wasserwerken, Strom- und Telekommunikationsleitungen.“ Wie haben sich die Anforderungen an den Zivilschutz in den letzten Jahren verändert? „Bisher lag der Fokus eher auf dem Katastrophenschutz. Diese Aufgabe obliegt den Ländern, wir als Bundesbehörde unterstützen und ergänzen hier. Mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat sich aber unsere Bedrohungslage grundsätzlich verändert, und damit auch die Bedeutung des Zivilschutzes. Wir bereiten uns nun verstärkt darauf vor, im Falle eines Angriffs auf uns oder unsere Verbündeten handlungsfähig zu sein und die Grundlagen unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft zu schützen und zu verteidigen.“ Welche Rolle spielt das Ehrenamt für den Zivilschutz? „Mehr als 90% aller Einsätze im Katastrophenschutz werden durch Ehrenamtliche geleistet. Diese Helferinnen und Helfer tragen auch im Bündnis- oder sogar im Verteidigungsfall zu einem großen Teil zum Schutz der Zivilbevölkerung und der Infrastruktur bei. Das klingt jetzt erstmal sehr abstrakt, aber in den meisten Fällen werden die Freiwilligen dann das Gleiche tun wie auch im Katastrophenfall: Sie löschen Brände, sie versorgen Verwundete oder leisten technische Hilfe. Ich glaube, die Rolle des Ehrenamts gerade im Zivilschutz kann nicht genug betont werden.“ Welche Aufgaben können Bürgerinnen und Bürger im Zivilschutz übernehmen? „Zunächst einmal ist es wichtig, dass jeder Bürger und jede Bürgerin weiß, was er oder sie im Fall einer Notlage tun kann, um sich selbst, Freunden, Familie und Nachbarn zu helfen. Und darüber hinaus kann man sich bei einer Hilfsorganisation, den Freiwilligen Feuerwehren oder beim Technischen Hilfswerk melden und sich ausbilden lassen. Die Tätigkeiten im Zivilschutz sind so vielfältig, wie das Leben selbst. Es muss deswegen nicht immer körperlich anstrengend oder auch risikoreich sein.“
    weiterlesen